Artikel von Johanna Heim, Mainpost vom 20.11.25
3600 Kilometer in 72 Stunden
3600 Kilometer in 72 Stunden
Volker Ortloff ist für den Verein „Haßfurt hilft“ binnen drei Tagen nach Albanien und zurückgefahren. Seit 30 Jahren setzen sich die Ehrenamtlichen für Menschen in Südosteuropa ein.
Volker Ortloff ist für den Verein „Haßfurt hilft“ binnen drei Tagen nach Albanien und zurückgefahren. Seit 30 Jahren setzen sich die Ehrenamtlichen für Menschen in Südosteuropa ein.
Volker Ortloff hat Sitzfleisch. Das lässt sich zweifelsohne über jemanden sagen, der an einem Freitag vom Haßfurter Stadtteil Sailershausen mit dem Auto 1800 Kilometer bis nach Albanien fährt – nur um die gesamte Odyssee 72 Stunden später wieder retour zu fahren.
Der 54-Jährige ist im Sommer zweimal 22 Stunden lang durch halb Europa gefahren. Sein Ziel: Die Mission der Franziskanerschwestern bei Dushaj im Norden von Albanien. Seine Intention: Gutes tun.
Ortloff ist Mitglied des Vereins „Haßfurt hilft“, der in diesem Jahr sein 30. Jubiläum feiert. Gegründet wurde der Verein vom Mundartdichter Wilhelm Wolpert aus Haßfurt. Seit sieben Jahren engagiert sich Ortloff hier, wie er im Gespräch mit der Redaktion sagt. Seit vier Jahren ist er Vorsitzender.
Albanien war das Armenhaus Europas
Der Verein habe sich auf die Fahne geschrieben, bedürftigen Menschen in Südosteuropa zu helfen. In den letzten Jahrzehnten hätten die Mitglieder – derzeit sind es rund 50, die großteils aus dem Haßbergkreis kommen – aber auch in Litauen und der Ukraine Gutes getan. Das Steckenpferd sei jedoch Albanien, so Ortloff.
„Früher hat man gesagt, Albanien ist das Armenhaus Europas“, erklärt Ortloff. Mittlerweile sei die Lage im Land zwar besser. Doch Armut gebe es dort noch genug. Viele Menschen leben hier in einfachsten Verhältnissen. So auch in Dushaj.
Der Ort liegt in einem Gebiet, das etwa doppelt so groß wie der Landkreis Haßberge, aber dünn bevölkert ist. Kleine Straßen schrauben sich hier steile Gebirgspässe empor, viele Höfe liegen abgeschieden, wie Ortloff beschreibt.
Die Verhältnisse sind rau
Die Jungen zieht es der besseren Perspektive wegen in die Städte oder an die Küste, die Alten bleiben in den kleinen Bergdörfern zurück, erklärt er. Oftmals gibt es dort weder Elektrizität noch fließendes Wasser. Manche Orte sind erst im Frühjahr wieder erreichbar.
Schneemassen versperren den Winter über den Weg. Die Menschen leben von der Hand in den Mund, ernähren sich vom eigenen Vieh und von dem, was sie selbst anbauen können, erzählt der Bundeswehr- Offizier, der in Veitshöchheim stationiert ist. Die Verhältnisse sind rau.
Eben hier setzt der Verein an – in Zusammenarbeit mit den drei Franziskanerinnen. Einmal pro Jahr liefern die Mitglieder den Schwestern Spenden, beispielsweise Decken, Bettwäsche, Jacken oder Kinderschuhe. Gefragt seien auch Medikamente und Hygieneartikel, so der Oberstleutnant.
Die Schwestern verteilen die Spendenartikel an Bedürftige, kümmern sich zudem um viele Kinder im Schulalter: Ab und an bereiten sie ihnen eine warme Mahlzeit zu und helfen bei den Hausaufgaben. Einmal pro Woche können sich Bedürftige zudem medizinisch behandeln lassen und pilgern dafür zur Mission.
Die Franziskanerinnen halten Ortloff und den Verein das ganze Jahr über mit Bildern, die zeigen, wie die Spenden zum Einsatz kommen, auf dem Laufenden.
Viermal war Ortloff bereits in Dushaj. Mal flog er nach Albanien, mal war er per Sprinter samt einem Anhänger voller Spenden unterwegs. Doch so eine Reise laufe nicht immer ganz reibungslos ab. Sechs Stunden habe er schon mal an der Grenze warten müssen, berichtet er, wegen einer fehlenden Identifikationsnummer.
Die Schwestern kamenzu Ortloffs Rettung
Eine solche habe in Albanien jede Firma, jeder Betrieb – und eben auch eine Missionsstation. Zu Ortloffs Rettung kamen dann die Franziskanerinnen, mit der fehlenden Nummer im Gepäck. Helfen, das könnten die drei Schwestern, berichtet er. „Sie sind der Anker, für zig Menschen, die dort in den Bergen leben.“
Es sei ihm wichtig, mit den Leuten vor Ort in Kontakt zu treten. Eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Und zu wissen, wohin die Spenden letztendlich kommen. Er spreche aber nicht nur für sich, sondern für den ganzen Verein, das sei ihm wichtig zu betonen. Und man nehme auch immer etwas mit nach Hause zurück. „Dankbarkeit“, sagt Ortloff.
Im kommenden Frühjahr will er sich wieder ins Auto setzen. Dann geht es aber nicht in Richtung Albanien, sondern in die Westukraine. Zusammen mit dem Landratsamt Haßberge hat der Verein „Haßfurt hilft“ eine Spendenaktion für ein Krankenhaus in Mostyska gestartet – einer Partnerstadt des Landkreises.
Mithilfe der Spenden soll der Transport und die Installation einer Photovoltaikanlage für die Klinik finanziert werden.
Spendenkonten: Landkreis Haßberge, Sparkasse Schweinfurt-Haßberge, IBAN: DE07 7935 0101 0021 9730 94, Verwendungszweck: „Ukraine – Solarprojekt“
Haßfurt-hilft e.V., IBAN: DE16 7935 0101 0190 4109 10, Verwendungszweck: „Ukraine – Solarprojekt“


Viele Höfe liegen abgeschieden. Teilweise sind sie nur in den warmen Monaten erreichbar.
Foto von Volker Ortloff
